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Vier-Tage-Woche in Deutschland? – SG 324

Hosted byAnnik Rubens

Immer mehr Menschen wünschen sich mehr Freizeit und weniger Stress im Beruf. Deshalb hört man in den letzten Jahren oft einen Begriff: die Vier-Tage-Woche. Die Idee ist einfach. Statt an fünf Tagen pro Woche zu arbeiten, arbeiten die Beschäftigten nur an vier Tagen. Dabei gibt es allerdings verschiedene Modelle. Manche Menschen arbeiten an vier Tagen jeweils etwas länger und kommen so auf die gleiche Zahl von Arbeitsstunden wie vorher. Andere arbeiten tatsächlich weniger Stunden und erhalten trotzdem ihr volles Gehalt. Genau dieses Modell wird besonders häufig diskutiert.

Aber schauen wir erstmal in die Geschichte. Die Arbeitswelt hat sich in den vergangenen zweihundert Jahren stark verändert. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren 14 bis 16 Stunden Arbeit pro Tag normal. Sechs Tage die Woche. Während der Industrialisierung waren dann Arbeitstage von 10 bis 12 Stunden keine Seltenheit. Es gab kaum Urlaub, und viele Fabrikarbeiter hatten nur den Sonntag frei.

Mit der Zeit entstanden Gewerkschaften, die sich für bessere Arbeitsbedingungen einsetzten. 1918, also gleich nach dem Ersten Weltkrieg, gab es in Deutschland die Novemberrevolution. Unternehmer und Gewerkschaften einigten sich damals auf den Acht-Stunden-Tag.

Von einer Kampagne möchte ich Dir erzählen. Sie startete 1955, mitten im deutschen Wirtschaftswunder. Damals lief die Wirtschaft so gut, dass viele Fabrikarbeiter Überstunden machten. Sie arbeiteten also mehr als die Stunden, für die sie bezahlt wurden. 48 Stunden waren das im Durchschnitt pro Woche. Auch am Samstag mussten die Männer – es waren damals vor allem Männer – arbeiten.

Also sagten die Gewerkschaften: Fünf Tage pro Woche, 40 Stunden Arbeit. Und der Samstag ist frei. 1956 wurden die Plakate dafür gedruckt. Der Slogan war „Samstags gehört Vati mir“. Nach und nach wurden die Arbeitszeiten reduziert. Aus der Sechs-Tage-Woche wurde in vielen Berufen eine Fünf-Tage-Woche. 1959 begann es bei den Beschäftigten im Steinkohlebergbau, dann folgten Versicherungen und Banken und so weiter.

In den 1980er-Jahren war ich ein Kind, und ich erinnere mich gut daran, dass es immer wieder das gleiche Thema in den Nachrichten gab: Den Kampf um die 35-Stunden-Woche. Das hatte aber einen ganz anderen Grund als zuvor: Die Arbeitslosigkeit in Deutschland war sehr hoch. 1985 stieg sie auf 9,3 Prozent. Zum Vergleich: Heute im Jahr 2026 liegt sie bei 6,5 Prozent, 2019 waren es sogar nur 5 Prozent. Jedenfalls kam damals die Idee auf: Wenn alle Menschen weniger arbeiten, dann haben mehr Menschen Arbeit. Es kam zu Streiks in der Metallindustrie. Die Menschen kämpften für die 35-Stunden-Woche. Die Arbeitgeber fanden das gar nicht gut. Sie sperrten Hunderttausende Beschäftigte einfach aus. Sie durften also nicht arbeiten und bekamen gar kein Geld mehr. Sieben Wochen dauerte dieser Streik. Am Ende einigte man sich auf einen Kompromiss: 38,5 Stunden pro Woche. 1995 gab es dann wirklich die 35 Stunden-Woche.

Heute ist die Fünf-Tage-Woche in Deutschland der Normalfall, auch wenn Menschen in manchen Berufen weiterhin am Wochenende arbeiten müssen. Dazu gehören zum Beispiel Pflegekräfte, Polizisten, Busfahrer oder Mitarbeiter in Restaurants.

Auch die tägliche Arbeitszeit wurde kürzer. In Deutschland gilt heute das Arbeitszeitgesetz. Es legt fest, dass Beschäftigte grundsätzlich nicht länger als acht Stunden pro Werktag arbeiten sollen. Unter bestimmten Bedingungen sind bis zu zehn Stunden möglich, wenn die durchschnittliche Arbeitszeit innerhalb eines festgelegten Zeitraums wieder sinkt. Wir sind gerade im Westen bei 37,5 Stunden und im Osten bei 38,6 Stunden im Durchschnitt.

Die Diskussion über die Vier-Tage-Woche begann schon vor vielen Jahren, wurde aber besonders nach der Corona-Pandemie intensiver. Während der Pandemie arbeiteten viele Menschen im Homeoffice. Sie merkten, dass sich ihre Arbeitsweise veränderte. Unternehmen stellten fest, dass manche Aufgaben auch mit flexibleren Arbeitszeiten gut erledigt werden konnten. Gl

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